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A K T U E L L

Behindertenanwaltschaft zieht Bilanz

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 28.6.2016 zog die Behindertenanwaltschaft Bilanz über ihre Aktivitäten im Jahr 2015. Insgesamt landeten etwa 1400 Fälle auf dem Tisch der Behinderten-anwaltschaft, die primär für die Beratung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige zuständig ist. Die wesentlichen Themenkreise sind nach wie vor Arbeit, Barrierefreiheit und Bildung.

Im Bereich der Barrierefreiheit stiegen die Schlichtungen um 7 %, und bis Ende 2016 wird eine weitere Steigung um 10 % angenommen. Die erwartete Prozessflut nach erfolglosen Schlich-tungen blieb nach dem Inkrafttreten des BGStG aus, da das Prozessrisiko für Betroffene groß ist. Bedenklich ist auch, dass in manchen Bundesländern eine Rückentwicklung der Barrierefreiheit im Baubereich festzustellen ist, was den österreichweiten Harmonisierungsbestrebungen bei Barrierefreiheit nach den Vorgaben der UN-BRK widerspricht.

Auf dem Arbeitsmarkt lässt sich im 7. Jahr in Folge ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen feststellen. Mit einer Arbeitslosenrate von 15,7 % ist nun bereits jeder fünfte ohne Arbeit ein Mensch mit Behinderung, was einen überproportionalen Anstieg von 30 % gegenüber 2007 belegt. Die Behindertenanwaltschaft kritisiert die mangelnden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen des AMS und Arbeitsministeriums und fordert die Schaffung einer Fokusgruppe analog zu Jugendlichen, Frauen und 50 +. Bundesminister Stöger kündigt arbeitspolitische Maßnahmen für das Jahr 2017 an.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention verpflichtet sich Österreich zur Einführung eines inklusiven Schulsystems, allerdings bleibt bis dato die Trendwende aus. Zwar verbesserte die Hochschulzulassungsverordnung den universitären Zugang, aber die Integration in Regelschulen lässt Raum zur Verbesserung. Einerseits verzeichnen die Sonderschulen wieder steigende Schülerzahlen, andererseits fehlen den Integrationsschulen fachspezifische Unterstützung und finanzielle Ressourcen, um den Bedürfnissen aller Schüler gerecht zu werden. Die neue Bildungsministerin, Sonja Hammerschmid, setzt sich für einen realistischen Zeitplan zur Umsetzung inklusiver Schulmodelle und die Sicherstellung der Ressourcen ein.

In diesem Zusammenhang sei eine durch Fr. Königsberger-Ludwig initiierte parlamentarische Anfrage erwähnt, aus der resultierte, dass keine einzige Universität oder Fachhochschule in Österreich die gesetzliche Beschäftigungsquote erfüllt. Kämen diese Einrichtungen Ihrer Pflicht nach, gäbe es allein in diesem Bereich 1000 Arbeitsplätze mehr für Menschen mit Behinderungen.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik die in Aussicht gestellten Maßnahmen und Pläne rasch umsetzt, und die nächste Bilanz der Behindertenanwaltschaft positiver ausfallen wird.

NGO-Forum der Volksanwaltschaft am 04.07.2016

Maria Pernegger (Media Affairs) startete mit einer Studie zur Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den österreichischen Medien. Untersucht wurden Beiträge von Massenmedien (Kurier, Presse, Standard, Heute, Österreich) und den Nachrichtenformaten des ORF in den letzten drei Monaten. Das Ergebnis zeigt, dass Menschen mit Behinderungen kaum in Massenmedien vertreten sind und vorwiegend als Objekte, auf Ihre Behinderung reduziert (Beispiel: Bild von einem Rollstuhl ohne Person darin), stereotypisch in einer „Opferrolle“ oder als „Held“ dargestellt werden. Frauen mit Behinderungen, ihre Rolle als Mutter und alltäglich Themen wie zum Beispiel das Ansuchen von Förderungen für Heilmittelbehelfe wurden nicht thematisiert. Eine Ausnahme bildete die Berichterstattung über Kira Grünberg.
Weitere Informationen unter: http://volksanwaltschaft.gv.at/artikel/NGO-Forum-2016-Volksanwaltschaft-startet-Inklusions-Kampagne-im-Zusammenhang-mit-Medien?topic_type=aktuelles&archiv=0

Die anschließende Präsentation von Herrn Jürgen Wieser (Downsyndrom Österreich) wurde kritisch hinterfragt. Bei der Bewerbung des Vereins „Downsyndrom Österreich“ wurde vermehrt auf emotional besetzte Bilder/Musik gesetzt. Das Fundraising stand hier deutlich im Vordergrund.

Im Rahmen von drei Workshops wurden folgende Themen beleuchtet:  „Menschen mit Behinderung und Armut“ (Impulse: Erwin Buchinger, Martin Schenk), „Menschen mit Behinderung und Wohnen/Arbeiten“ (Impulse: Martin Ladstätter, Tom Schmid) und „Menschen mit Behinderung auf der Flucht“ (Impulse: Gunther Trübswasser, Magdalena Kern). Hier geht''s zum ausführlichen Bericht.

Besuch in der Spielothek des Wiener Hilfswerk

In Österreich sind 5,4% der unter 20-jährigen dauerhaft beeinträchtigt. Diese Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern brauchen Unterstützung und Möglichkeiten für Spiel und Spaß nach ihren Anforderungen. Das Wiener Hilfswerk trug dieser Notwendigkeit Rechnung und schuf die Spielothek. Frau Präsidentin Karin Praniess-Kastner vom Wiener Hilfswerk und Familienministerin Sophie Karmasin luden gemeinsam am Freitag, 1. Juli 2016 in die Spielothek in Wien zur Pressekonferenz ein.

„Freizeiteinrichtungen und Aktivitäten außerhalb von Schule und Kindergarten sind für Kinder mit Behinderungen und deren Eltern und Geschwister besonders wertvoll“, berichtete Praniess-Kastner, Präsidentin des Wiener Hilfswerks. Die Spielothek bietet ganzjährig für Kinder im Alter zwischen 12-18 Jahren und deren Familien (Eltern und Geschwister) einen geschützten Rahmen zum Spielen, Austauschen, Vernetzen und ein individuell gestaltetes Programm, das sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen richtet.

Seit Jahren nimmt im Bundesministerium für Familie und Jugend (BMFJ) die Elternbildung und –beratung einen hohen Stellenwert ein. Demzufolge hat das BMFJ eine Website eingerichtet, wo Eltern ExpertInnen-Tipps und Infos der angebotenen Veranstaltungen erhalten. Mehr Informationen finden Sie hier:

https://www.eltern-bildung.at/schwerpunktthemen/familie-und-behinderung/
http://www.hilfswerk.at/wien/kinderundjugend/spielothek

Traum und Wirklichkeit: Gewinner des 10. ÖZIV Medienpreises

Aus den zahlreichen Beiträgen über Inklusion von und Arbeit für Menschen mit Behinderungen wurden die Gewinner des ÖZIV Medienpreises 2015 ausgewählt.

Seit 2006 vergibt der ÖZIV Bundesverband den Medienpreis für herausragende Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen. Aus 57 Einreichungen, so vielen wie noch nie, wählte die Jury unter dem Vorsitz von ÖJC-Präsident Fred Turnheim zwei Preisträger in den Kategorien Print- und elektronische Medien. Einige der Jurymitglieder begleiten den Medienpreis bereits seit Anbeginn. Dennoch gewinnen selbst die erfahrensten JournalistInnen und RedakteurInnen aus dem Studium der eingereichten Beiträge interessante Erkenntnisse und neue Einblicke in eine für viele unbekannte Welt. ÖZIV dankt allen Jurymitgliedern für ihr Engagement und den Enthusiasmus, der dem Medienpreis und damit den Anliegen von Menschen mit Behinderungen entgegengebracht wird.

Wie weit der Weg noch ist, den Wunsch und das Recht auf chancengleiche Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft im alltäglichen Leben umzusetzen, verdeutlichen die Beiträge der Gewinner. Sie eröffnen weitreichende Einblicke in die Träume und Wirklichkeiten von Menschen mit Behinderungen.

Der Preis in der Kategorie "Elektronische Medien" geht an Hans Wu „Behinderung und Arbeitsplatz“, Wirtschaftsmagazin ECO, ORF. Der Beitrag beleuchtet sehr differenziert anhand von drei ProtagonistInnen die Problematik von Menschen, die abseits konjunktureller Schwankungen häufig mit Barrieren am Arbeitsmarkt konfrontiert werden.

Der Hauptpreis in der Kategorie "Print" geht an Markus Huth „Die Unglücksraben“, Online-Magazine "Krautreporter" und "WELTSEHER". Der Artikel ist hervorragend recherchiert und thematisiert das Leben von SchauspielerInnen und KünstlerInnen mit Behinderungen, die aller Barrieren und Hürden zum Trotz nicht aufgeben und für die Verwirklichung ihrer Träume kämpfen.

Die Preisverleihung findet im Rahmen einer festlichen Gala am 27.10.2016 im Catamaran in Wien statt. Wir danken allen Journalistinnen und Journalisten für die zahlreichen Beiträge zum ÖZIV Medienpreis und freuen uns auch heuer wieder auf eine rege Teilnahme. Die Teilnahmebedingungen werden demnächst bekanntgegeben.

ÖZIV ACCESS - Wiener Einkaufstraßen-Studie

ÖZIV ACCESS bietet Beratungen zur Barrierefreiheit an. Um hier immer am neuesten Stand zu sein, führen wir gelegentlich aber auch eigene Studien durch. So ist auch unsere Wiener Einkaufsstraßen-Studie entstanden. Vor zwei Jahren haben wir begonnen, mit einem recht simplen, aber harten Maß – nämlich der erhobenen Anzahl von Stufen vor Geschäftseingängen – eine umfangreiche Datenbasis der Zugänglichkeit von Wiener Geschäftslokalen zu schaffen. Nun, zwei Jahre später – und im ersten Jahr nach Ende der Übergangsfrist zur Barrierefreiheit – haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, um die allfälligen Verbesserungen zu untersuchen. Diese spannende Vorher-Nachher-Studie steht nun kurz vor ihrer Fertigstellung. Ohne hier zu viel zu verraten: Die Ergebnisse sind eher ernüchternd, wenngleich es auch mancherorts interessante Entwicklungen gab. Mehr dazu demnächst.

Ein Jahr www.barriere-check.at

Vor einem Jahr begann der ÖZIV in Kooperation mit der WKO einen innovativen Online-Selbsttest zur Barrierefreiheit: www.barriere-check.at.
Ziel war es, mit dieser Seite Betrieben Hilfestellung und Orientierung zum Thema Barrierefreiheit zu liefern.
Mittlerweile haben mehr als 15000 Nutzer auf unsere Seite zugegriffen, wovon über 2000 NutzerInnen den Barriere-Check selbst absolviert haben. Dabei hat uns durchgehend sehr gutes Feedback erreicht. UnternehmerInnen finden dieses Tool hilfreich und positiv. Das freut uns sehr!

Uns war bei der Erstellung des Tools besonders wichtig, eine möglichst vielfältige Nutzung zu ermöglichen. Diese reicht von grundlegenden Informationen zur Barrierefreiheit und Sensibilisierung für das Thema bis hin zum maßgeschneiderten Selbst-Check und möglicher Veröffentlichung der Ergebnisse auf der eigenen Geschäftshomepage.

Die Tatsache, dass unser Barriere-Check immer wieder auch für derartige freiwillige Selbstbeschreibungen genutzt wird, zeigt, dass es viele UnternehmerInnen gibt, die das Thema Barrierefreiheit mittlerweile sehr ernst nehmen. Auch das freut uns!

 

Barriere-Check-ToolWie barrierefrei ist Ihr Geschäft, Ihr Hotel, Ihr Restaurant?
Machen Sie den Barriere-Check!

ÖZIV und Wirtschaftskammer haben gemeinsam ein Tool zur Erhebung von Barrierefreiheit entwickelt. Einfach, rasch und kostenlos. Mehr

 

Antragsstellung für Individualförderungen geändert
(Sozialministeriumservice)

Anträge zur „Individualförderungen“ wie zum Beispiel ein Antrag zur Arbeitsplatzsicherungsbeihilfe sind nur noch an die zentrale Digitalisierungsstelle der Landesstelle Oberösterreich des Sozialministeriumservice zu senden. Die Landesstelle ist nun für das gesamte Bundesgebiet zuständig.

Die neuen Antragsformblätter sind auf der Website des Sozialministeriumservice abrufbar: http://www.sozialministeriumservice.at/site/Downloads_&_Formulare/Formulare_und_Infoblaetter

Informationen zum Thema Förderungen vom Sozialministeriumservice auch in unserer Rechtsdatenbank auf http://recht.oeziv.org/?nID=103 

Barrierefreiheit bekommt Qualität

Österreichische Behindertenorganisationen erarbeiten ein Zertifizierungssystem zur Steigerung von Barrierefreiheit

Das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz ist mit 1.1.2016 für die Privatwirtschaft in vollem Umfang in Kraft getreten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollten alle öffentlich zugänglichen Gebäude und Angebote barrierefrei, das heißt in der allgemein üblichen Weise und grundsätzlich ohne fremde Hilfe von allen Menschen benutzbar sein. Das Ziel ist klar, aber der Weg noch weit. Um diese Forderung nachhaltig zu unterstützen, verlangt es nach standardisierten Prozessen und einheitlichen Qualitätskriterien. Österreichische Behindertenorganisationen befassen sich nun im Rahmen eines vom Sozialministerium geförderten Programmes des ÖZIV mit der Ausarbeitung eines Zertifizierungssystems zur nachhaltigen Steigerung von Barrierefreiheit.

Das Zertifizierungssystem wendet sich an die Wirtschaft sowie öffentliche Einrichtungen und soll den Grad von Barrierefreiheit nach standardisierten Qualitätsmerkmalen reflektieren. Der Kriterienkatalog zur Beurteilung der Barrierefreiheit umfasst alle Unternehmensbereiche wie Firmenphilosophie und Strategie, Management, Mitarbeiter, Kommunikation, rechtliche Aspekte und Infrastruktur. Barrierefreiheit soll damit Einzug ins Qualitätsmanagement finden und mit Erstellung eines Zertifikats entsprechend nach außen sichtbar gemacht werden. Die mitarbeitenden Organisationen sind zuversichtlich, dass sich damit nicht nur die Barrierefreiheit, sondern generell auch die Qualität der Betriebe und öffentlichen Einrichtungen steigern wird. Die Zertifikatsansuchenden werden im Zertifizierungsprozess von einer Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen begleitet und bei der Ausarbeitung eines Maßnahmenkataloges unterstützt. Das Zertifikat belegt den Durchdringungsgrad der Barrierefreiheit im Unternehmen und erfordert, dass die definierten Maßnahmen und Standards kontinuierlich umgesetzt, gepflegt und überwacht werden.

Die Ausarbeitung des Zertifizierungssystems soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Unterstützung anderer Regierungsressorts gewonnen werden, um die gebührende Beachtung und das entsprechende politische Gewicht zu gewinnen.

Folgende Organisationen wirken am Zertifizierungsprogramm mit: Behindertenanwaltschaft, BIZEPS, Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, ÖGB, ÖGLB, ÖSB - Österreichischer Schwerhörigenbund Dachverband, ÖAR und ÖZIV.

 

 

 

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